
„Auch mit seiner Berichtigung der antiken Chronologie hat der wohl größte aller Naturwissenschaftler den Nagel auf den Kopf getroffen.“ Davon ist der Physiker Hans-E. Korth (68) überzeugt. Historiker sind da natürlich ganz anderer Meinung. '333 – bei Issos Keilerei' sollte falsch sein? Undenkbar! Was immer jene selbst oder die Astronomen und Archäologen herausgefunden haben: Stets ließen sich durch ein paar simple Hilfsannahmen alle Befunde mit unserer traditionellen Jahreszählung in Einklang bringen.
Die geht zurück auf Joseph Justus Scaliger, der in seinem 1583 erschienenen Werk De emendatione temporum gleich 78 verschiedene Ären mit der abendländischen Zeitrechnung abgeglichen hatte. Obwohl dies noch vor den Anfängen der modernen Wissenschaft geschah, hätte sich dabei kein größerer Irrtum eingeschlichen. Doch schon Scaliger selbst waren etliche Unstimmigkeiten aufgefallen: Diese störten ihn jedoch genau so wenig wie viele abweichende astronomische Beobachtungen, die er leichthin als 'Irrtümer berühmter Astronomen' bezeichnete, obgleich er deren Grundlagen nicht nachvollziehen konnte.
„Newton hatte sich dagegen nicht nur auf geschichtliche Überlieferungen verlassen“, erklärt Korth, „sondern diese auch anhand der dort beschriebenen Himmelsbeobachtungen überprüft.“ Schon 1689, im Jahrzehnt seiner bahnbrechenden wissenschaftlichen Werke, hatte Isaac Newton dann eine Schrift verfasst, in welcher er die traditionelle Jahreszählung der Antike anhand einer Vielzahl geschichtlicher, sowie astronomischer Beobachtungen richtig stellte. Welch hohe Bedeutung Newton seiner Entdeckung beimaß, zeigt sich daran, dass er diese Schrift vier Jahrzehnte später, kurz vor seinem Tode, überarbeitete. Sein Fazit: »Man hat die Antike Griechenlands um drei bis vier Jahrhunderte älter gemacht, als sie in Wahrheit ist.«
Lässt
sich
Newtons These denn mit den heutigen Mitteln sicher beweisen?
„Astronomische
Rückrechnungen – egal ob Sonnenfinsternisse, Kometen, die
Bewegung der Erdachse, das Vorrücken der Tagundnachtgleiche oder
historisch überlieferte Planetenkonstellationen –
bestätigen allesamt Newtons These. Zur Ehrenrettung der
Wissenschaft muss man jedoch sagen, dass viele astronomische Zyklen
nach etwa 300 Jahren ähnliche Ergebnisse liefern. Auch bei den
Steuerzyklen der Römer von je 15 Jahren fällt ein Sprung
über 300 Jahren nicht auf. 43 Jüdische Jahrwochen ergeben
301 Jahre. Die Abweichung der Überlieferungen um ein Jahr ließ
sich leicht durch Annahme einer 'Ära Adam' erklären.“
Und was spricht sonst noch gegen die Jahreszahlen, die wir in der Schule gebüffelt haben?
Noch
schwerer und nur mit
abenteuerlichen Zufällen sind die vielen Übereinstimmungen
zwischen den oströmischen Kaisern Konstantin und Herakleios zu
erklären: Beide regierten 31 Jahre. Konstantin, der als
Herrscher des Ostreiches den Amtstitel
Herakles trug, ließ im
6. Jahr seiner Herrschaft, vor der Schlacht an der Milvischen Brücke,
alle Schilde mit einem Zeichen markieren, welches die einzigartige
Versammlung von Sonne, Mond und Planten um den hellen Stern Spica
im Sternbild Jungfrau symbolisierte – die tatsächlich im
6. Jahr der Herrschaft des Herakleios statt fand.
Im jeweils 19. Regentschaftsjahr habe dann 'Die Mutter des Kaisers Konstantin' in Jerusalem das Heilige Kreuz geborgen. Von Martina, der 2. Gemahlin des Herakleios und Stiefmutter des Kronprinzen Konstantin, ist uns überliefert, dass sie offiziell den Titel 'Mutter des Kaisers Konstantin' trug.“
Aber was ist mit den
objektiven Daten der modernen Naturwissenschaften?
Die lassen
doch keinen Raum für irgendwelche Spekulationen?
„Die gemessenen Daten sind objektiv richtig und wiederholbar. Sie bedurften allerdings in jedem Fall der Interpretation, da ja 'bekannt' sei, dass die Römerzeit 2000 Jahre zurückliege. Jeder Forscher suchte daher eine schlüssige Deutung für seine Ergebnisse. Dabei wurde übersehen, dass alle das gleiche Erklärungsproblem hatten.
Hier ein paar Beispiele für derzeit gültige Hilfsannahmen:
- Die Mammutbäume Kaliforniens hätten nur in etwa 1700 der vergangenen 2000 Jahre Ringe ausgebildet – und seien daher für die Dendrochronologie unbrauchbar.
- Die C14-Konzentration in der Atmosphäre hätte sich im Mittelalter erhöht – nachdem sie Jahrtausende lang annähernd konstant geblieben war. Dabei hatte man noch 1960 Willard Libby den Nobelpreis für die Entdeckung des Radiokarbonverfahrens zur unabhängigen Datierung organischer Proben verliehen. Heute ist dagegen eine 'Kalibrierung' des Radiokarbonalters an dendrochronologisch datierten Hölzern üblich, um Proben der Antike zu vermessen. 'Radiokarbonjahre' dauern nur noch etwa 10 Monate.
- Aufgrund des 'zu geringen' C14-Gehalts ihrer Gebeine, müssen Forscher inzwischen annehmen, die Kaiserin Egditha (†946) hätte sich überwiegend von Seefisch ernährt.
- »Von den etwa 250 Nachrichten der antiken Literatur über Sonnen- und Mondfinsternisse sind über 200 ungenau oder falsch«, erkannte der Historiker Alexander Demandt. Er machte dafür 'Verformungstendenzen' verantwortlich.
- Um das Jahr 600 hätte sich die Rotationsgeschwindigkeit der Erde vorübergehend etwas erhöht, befand der Astronom R. Stephenson, um antike Sonnenfinsternisberichte zu erklären.
- Der Physiker Robert Newton erklärte schließlich den Astronomen Claudius Ptolemäus zum größten Betrüger der Wissenschaft, da der offenbar im Sternatlas des Almagest die Positionen der Sterne um drei Jahrhunderte in die Zukunft hochgerechnet hätte.
Die sonst so kritischen Naturwissenschaftler sind von der Selbstverständlichkeit der traditionellen Jahreszählung überzeugt und begnügen sich zumeist mit Plausibilitätstests. Auf hinreichend große Stichproben für 'bereits abgesicherte' Aussagen wird gern verzichtet: So fand der Dendrochronologe Ernst Hollstein nach Jahrzehnten der Suche ganze zwei Hölzer, um Baumringe der Römerzeit 'akzeptabel' mit jenen des Mittelalters zu verknüpfen.“
Aber wie hätte es denn überhaupt zu einem Bruch in der Jahreszählung kommen können?
„Auf
diese
Frage konnten Newton und etliche andere Forscher keine schlüssige
Antwort finden. Dabei liegt die eigentlich recht nah: Wie sowohl die
Christen als auch der Koran lehrten, hätten die Sieben
Schläfer von Ephesus in einer Höhle rund dreihundert
Jahre verschlafen. Noch heute wird dieses größten aller
Wunder an jedem 27. Juni gedacht. Die Gläubigen mussten daher
annehmen, die Christenverfolgungen und alles was davor geschah, läge
entsprechend ferner zurück. Dies ließ sich nicht mehr
richtigstellen, ohne Kirche und Staat zu diskreditieren. Ein
unheilbarer Bruch in der Geschichtsschreibung war die unvermeidliche
Folge.“
Sollte man jetzt also die Geschichtsbücher berichtigen?
„Gewiss. Aber das reicht nicht aus! Historische Daten der Antike betreffen uns bis heute in weit größerem Umfang: So sind für alle Christen die Berichte des Neuen Testaments Fundament ihres Glaubens. Religionswissenschaftler weisen allerdings seit Längerem darauf hin, dass es keinerlei Hinweis darauf gibt, dass Jesus vor zweitausend Jahren überhaupt gelebt habe.

Von Newtons Chronologie ausgehend, bewahrheiten sich nun jedoch alle astronomischen Hinweise der Bibel – angefangen mit dem Stern von Bethlehem (im April 295 schien der Komet Halley vor dem Sternbild 'Drei Könige' wochenlang still zu stehen) bis hin zur Johannesoffenbarung. Jene beschreibt die einzigartige Planetenkonstellation vom 30. September 395, wie der Astronom Nikolaus Morosow schon Ende des 19. Jahrhunderts erkannt hatte.
Newton und die Evangelien bestätigen sich also gegenseitig: Sind deren Zeitbezüge korrekt, dann kann die traditionelle Jahreszählung der Antike nicht stimmen. Wäre dagegen die traditionelle Zählung richtig, so wäre das Neue Testament ein Fabrikat, das reale Ereignisse des 4. und 5. Jahrhunderts in seine Berichte mischte – dann hätte Jesus höchstwahrscheinlich nie gelebt.“
Hat Newtons spektakuläre Entdeckung darüber hinaus auch Auswirkungen auf die Naturwissenschaften, die für uns heute von Bedeutung sind?
„Die sind jedenfalls ganz beträchtlich: Alle Modelle zur Erderwärmung basieren auf Klimadaten der Vergangenheit. Wird die Chronologie richtig gestellt, dann zeigt der Vergleich des zeitlichen Verlaufs der Konzentration von Radiokarbon mit den Sulfatablageungen im Grönlandeis, dass Vulkanismus einen weitaus größeren Einfluss auf die Temperatur der Erde hat, als bisher angenommen. Wird dies berücksichtigt, dann wird der von Menschen zu verantwortende Anteil an der Erwärmung klar sichtbar – und der weist seit zweihundert Jahren steil nach oben.“
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Einige Beispiele obsoleter Hilfs-Annahmen:
Jesus und die Chronologie
1. Dionysius
Exiguus definierte das Jahr 525 uZ. als 528. der röm. Indiktion.
Steuer-Zyklus
und Mondtafel stimmen so 304 Jahre 'früher' überein
Die
zahlreichen hieraus folgenden Widersprüche wurden ignoriert...
2. Als
Wochentag des 25.3.1 AD nennt Exiguus
Sonntag (statt Freitag).
[304 Jahre =15862 Wochen + 2 Tage]
3. Stillstand Komet Halley vor dem Sternbild '3 Könige' im März 295.
4. Weiteres Himmelszeichen: Jupiter-Kehre im Haus Virgo, Jan. 297
5. Lukas: Geb. Jesu z. Zt. der 1. Schätzung (Indiktionsbeginn 1.9.297)
6. 'ara coeli' -Konstellation vor Virgo (23.9.297) in Rom beobachtet.
7. Extreme Jupiter-Venus Konjunktion (Verschmelzung) am 4.10.297
8. Nach der Chronik von Edessa wurde Jesus im Jahr 309 SE. geboren.
9.
Herodes-Logik: Hatte der Komet die Empfängnis des Messias ange-
kündigt,
so konnte jener im Herbst 297 höchstens 2 Jahre alt sein.
10. Flavius Josephus nennt als Todesjahr des Herodes 750 auc.
11. Herodes starb Wochen vor Passah - zuvor Mondfinsternis (Nov. 299)
12. Lukas nennt für Johannes den Täufer das 15. Jahr des Tiberius.
13. Überliefert für die Passion Jesu ist dessen 33. Lebensjahr.
14. Die Evangelien nennen den Freitag vor dem Passah-Fest.
15. Nach dem jüdischen Kalender war dies der 14. Nisan.
16. Im Jahre 330 u.Z. fiel der 14. Nisan auf Freitag, den 20. März
17. Die Konkurrente
des Exiguus bezeichnet den Wochentag des 24.3.
Zu erwarten
wäre hier doch ein Bezug auf den Tag der Auferstehung.
18. Theophil v. Cäsarea nennt als Tag der Passion den 22.3. (330 =So.)
19. Die Offenbarung
des Johannes beschreibt die singuläre Position von
Sonne,
Mond und Planeten am Sonntag, dem 30.9.395 (N. Morosow)
20.
Die Torah der Masoreten
liefert gegenüber jener der Samaritaner um
299
höhere Jahreszahlen der jüdischen Weltära
[20
Indiktionszyklen entsprechen 43 jüd. Jahrwochen
minus 1 Jahr]